Kommt und seht

HERRZLICH WILLKOMMEN

Wir sind eine kleine katholische Ordensgemeinschaft, die auf der Halbinsel südlich Hamburgs an diesem Ort der Stille und der Einkehr sich niedergelassen hat, zugehörig dem kontemplativen Teresianischen Reformorden.

Unsere neue Lebensform hier ist wie eine Antwort auf die Frage nach einem Weg der Karmel der Zukunft, wie wir die Herausforderungen der Zeichen der Zeit in Kirche und Welt und auf die religiösen und menschlichen Sehnsüchte der Menschen von heute reagieren sollen.

Unsere Gebetszeiten - Chorgebet und Inneres Beten sind offen für alle. Außerdem bieten wir den Suchenden die Möglichkeit für einen kurzen Aufenthalt in der Stille und Besinnung in dem Gästehaus und Gästewohnungen.

Samstag, 18. März 2017

Geistliches Wort zum Nachdenken.

Mach mal Pause, so hören wir, wenn jemand vor dem Burnout ist. Pausen sind wichtig, damit der Mensch produktiver  arbeiten kann. Die Natur braucht Winterruhe, um neue Knospen treiben zu können. Auch die Fastenzeit  ist eine Art von Pause. Eine Einladung an uns, die viele Gewohnheiten zu ändern, damit wir einen neuen Blick  bekommen können. Sie ist eine Vorfreude auf das Osterfest, die uns daran erinnert, dass wir aus  allem Elend, Sorgen und Dunkelheit dieser Welt  ins österliche Licht geführt werden.

Zum Gelingen unseres Vorsatzes während der Fastenzeit gibt Papst Franziskus uns ein paar Impuls auf dem Weg mit. Er erinnert uns daran, wie kostbar das Wort Gottes und auch der Nächste ist.
Wir wünschen Ihnen, dem Leser allen eine gesegnete  und fruchtbare  Fastenzeit, die ab dem Aschermittwoch , dem 1. März 40 Tage lang dauern wird.

Die Schwestern von der Karmelzelle


Bildergebnis für jesus am brunnen


Evangelium von dem 3. Fastensonntag 

am 19.März: 

Das Gespräch mit der Samariterin

„In jener Zeit kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. 


Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! […] Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? […] Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. […]


Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. […] Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit. […]


Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! […] Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen.“ (Joh 4)


1. Die Meditation der Woche: 


Die Gabe Gottes entdecken



 In diesem Evangelium nehmen wir teil an einem Gespräch zwischen Jesus und einer Frau aus Samaria. Jesus sitzt am Rande eines Brunnens und die Samariterin kommt, um Wasser zu schöpfen. Diese Szene wurde schon oft von Malern dargestellt, betrachten wir sie also und bitten wir Jesus, uns „das lebendige Wasser zu geben“, damit wir „Anbeter im Geist und in der Wahrheit“ werden und der Wille des Vaters zu unserer Nahrung werde. Nehmen wir die Verwunderung der Samariterin gegenüber der Bitte Jesu wahr, die Verwunderung darüber, dass ein Jude das Wort an sie richtet. Angesichts dieses Erstaunens, dieser inneren Frage, antwortet ihr Jesus: „Wenn du jenen kennen würdest, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken‘.“ (Joh 4,10)


    Jesus schlägt ihr – und uns – vor, seine Person kennen zu lernen. Aber, um jemanden wirklich zu kennen, muss man das Wissen, das man schon hat oder zu haben meint, „in Klammern setzen“. Man muss akzeptieren, dass die Kenntnis Jesu Christi sich nicht in dogmatische oder spirituelle Formeln einschließen lässt, auch wenn diese sehr wohl notwendig sind und wir sie selbstverständlich verwenden können, aber es besteht immer das Risiko, dass sie die ganz persönliche Kenntnis, die Jesus uns vorschlägt, behindern. Während seines Gesprächs mit dieser Frau, ermöglicht Jesus es ihr, eine tiefere Kenntnis seines Geheimnisses zu erlangen. Dies ist der Grund seiner Worte: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht.“



Den Willen des Vaters tun


    Die Samariterin geht weg, um als Jüngerin und Missionarin den Bewohnern ihres Dorfes von Dem zu erzählen, dem sie begegnet ist. Währenddessen ergibt sich ein Gespräch zwischen den Jüngern und Jesus über diese geheimnisvolle „Nahrung“, „den Willen Vaters zu tun“. 

Im August 1906 entwirft Elisabeth  von Dijon zehntägige Exerzitien mit je zwei Betrachtungen am Tag; diese Aufzeichnungen betitelt sie mit Der Himmel aus dem Glauben; sie sind für ihre Schwester Guite, verheiratet und Mutter von zwei Kindern, gedacht. Mehrmals bezieht sie sich auf diesen Abschnitt aus dem Johannesevangelium. So schreibt sie am dritten Tag: „‚Weil ich den Vater liebe, tue ich immer das, was Ihm gefällt‘ (Joh 8,29;14,31). So sprach unser heiliger Meister, und jede Seele, die in Gemeinschaft mit Ihm leben will, muss auch nach diesem Grundsatz leben. Gottes Wohlgefallen muss ihre Nahrung sein, ihr tägliches Brot; sie muss sich nach dem Bild ihres angebeteten Christus dem Willen des Vaters gemäß hinopfern lassen; jeder Umstand, jedes Ereignis, jedes Leid sowie jede Freude ist ein Sakrament, das Gott ihr schenkt; deshalb macht sie keinen Unterschied mehr zwischen diesen Dingen, sie schreitet über sie hinweg und geht über sie hinaus, um sich jenseits von allem in ihrem Meister selbst auszuruhen.“ (Himmel aus dem Glauben 10)

Br. Didier-Marie Golay OCD (Konvent von Lisieux)

Reflexionsfragen:



 Drei Wege zur praktischen Umsetzung

Ich versuche, Jesus als eine persönliche Gabe des Vaters an mich zu begreifen.

Ich entschließe mich, während dieser Woche eine Zeit der Anbetung zu halten.

Ich nehme mir vor, einen Akt zu setzen, der meine Sehnsucht, den Willen des Vaters zu erfüllen, zum Ausdruck bringt.





Wecken wir den Brunnen auf ...

Antoine de Saint-Exupéry. Der kleine Prinz. 

Es war am achten Tag nach meiner Panne in der Wüste, als ich den letzten Tropfen meines Wasservorrats trank: "Ach", sagte ich zum kleinen Prinzen, " ich habe nichts mehr zu trinken und wäre glücklich, wenn auch ich ganz gemächlich zu einem Brunnen gehen könnte!". "Ich habe auch Durst ... suchen wir einen Brunnen ..." Ich machte eine Gebärde der Hoffnungslosigkeit: es ist sinnlos, auf gut Glück in der Endlosigkeit der Wüste einen Brunnen zu suchen. Dennoch machten wir uns auf den Weg...

Der Brunnen, den wir erreicht hatten, glich nicht den Brunnen der Sahara. Die Brunnen der Sahara sind einfache, in den Sand gegrabene Löcher. Dieser da glich einem Dorfbrunnen. Aber es war keinerlei Dorf da. "Das ist merkwürdig", sagte ich zum kleinen Prinzen, "alles ist bereit: die Winde, der Kübel und das Seil ..." Er lachte, berührte das Seil, ließ die Rolle spielen. Und die Rolle knarrte wie ein altes Windrad, wenn der Wind lange geschlafen hat. "Du hörst", sagte der kleine Prinz, "wir wecken diesen Brunnen auf und er singt " "Ich habe Durst nach diesem Wasser", sagte der kleine Prinz, "gib mir zu trinken." Und ich verstand, was er gesucht hatte. Ich hob den Kübel an seine Lippen. Er trank mit geschlossenen Augen. Das war süß wie ein Fest. Dieses Wasser war etwas ganz anderes als ein Trunk. Es war entsprungen aus dem Marsch unter den Sternen, aus dem Gesang der Rolle, aus der Mühe meiner Arme. Es war gut fürs Herz, wie ein Geschenk.



Heimzahlen, was uns kränkt?

 Das Lächeln Gottes. Gebete unserer Zeit.  Maria Otto und Ludger Hohn-Morisch. 

Herr, in deinen Leidenstagen
haben dich deine Jünger verlassen. 
Deine Antwort ist, uns zu versprechen: 
»Ich bin bei euch alle Tage.«

Wer sind wir, dass wir einem Menschen 
heimzahlen wollen, was uns kränkt? 
Wer sind wir, dass wir uns schwer tun, 
dem Nächsten zu verzeihen?
Wie halten wir deine Nähe aus,
du Erzähler des Vaters,
wenn Vergebung sich nicht
von selbst versteht?


FASTENZEIT
Hier im Wortlaut die Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit 2017 unter dem Titel: Das Wort Gottes ist ein Geschenk. Der andere ist ein Geschenk.

Liebe Brüder und Schwestern,
Die österliche Bußzeit ist ein Neuanfang, ein Weg, der zu einem sicheren Ziel führt: zum Pascha der Auferstehung, zum Sieg Christi über den Tod. Und immer richtet diese Zeit eine nachdrückliche Einladung zur Umkehr an uns: Der Christ ist aufgerufen, » von ganzem Herzen « (Joel 2,12) zu Gott zurückzukehren, um sich nicht mit einem mittelmäßigen Leben zufriedenzugeben, sondern in der Freundschaft mit dem Herrn zu wachsen. Jesus ist der treue Freund, der uns nie verlässt, denn auch wenn wir sündigen, wartet er geduldig auf unsere Rückkehr zu ihm und zeigt mit diesem Warten, dass er willig ist, zu vergeben (vgl. Homilie, Domus Sanctae Marthae, 8. Januar 2016).
Die österliche Bußzeit ist der günstige Moment, das Leben des Geistes durch die heiligen Mittel, welche die Kirche uns bietet, zu intensivieren: durch Fasten, Gebet und Almosengeben. Die Grundlage von alldem ist das Wort Gottes, und in dieser Zeit sind wir eingeladen, es mit größerem Eifer zu hören und zu meditieren. Besonders möchte ich hier auf das Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus eingehen (vgl. Lk 16,19-31). Lassen wir uns von dieser so bedeutungsvollen Erzählung anregen: Sie bietet uns den Schlüssel, der uns begreifen lässt, was wir tun müssen, um das wahre Glück und das ewige Leben zu erlangen, und ermahnt uns zu aufrichtiger Umkehr.

1. Der andere ist ein Geschenk
Das Gleichnis beginnt mit einer Vorstellung der beiden Hauptfiguren, doch der Arme wird wesentlich ausführlicher beschrieben: Er befindet sich in einer verzweifelten Lage und hat nicht die Kraft, sich wieder aufzurichten. Er liegt vor der Tür des Reichen und würde gerne von dem essen, was von dessen Tisch fällt; sein Leib ist voller Geschwüre, und die Hunde kommen und lecken daran (vgl. V. 20-21). Ein düsteres Bild also von einem entwürdigten und erniedrigten Menschen.
Die Szene erscheint noch dramatischer, wenn man bedenkt, dass der Arme Lazarus heißt – ein verheißungsvoller Name, der wörtlich bedeutet „Gott hilft“. Er ist daher keine anonyme Figur; er hat ganz deutliche Züge und zeigt sich als ein Mensch, dem eine persönliche Geschichte zuzuordnen ist. Während er für den Reichen gleichsam unsichtbar ist, wird er uns bekannt und fast vertraut, er bekommt ein Gesicht; und als solcher wird er ein Geschenk, ein unschätzbarer Reichtum, ein Wesen, das Gott gewollt hat, das er liebt und an das er denkt, auch wenn seine konkrete Situation die eines Stücks menschlichen Mülls ist (vgl. Homilie, Domus Sanctae Marthae, 8. Januar 2016).
Lazarus lehrt uns, dass der andere ein Geschenk ist. Die rechte Beziehung zu den Menschen besteht darin, dankbar ihren Wert zu erkennen. Auch der Arme vor der Tür des Reichen ist nicht etwa ein lästiges Hindernis, sondern ein Appell, umzukehren und das eigene Leben zu ändern. Der erste Aufruf, den dieses Gleichnis an uns richtet, ist der, dem anderen die Tür unseres Herzens zu öffnen, denn jeder Mensch ist ein Geschenk, sowohl unser Nachbar, als auch der unbekannte Arme. Die österliche Bußzeit ist eine günstige Zeit, um jedem Bedürftigen die Tür zu öffnen und in ihm oder ihr das Antlitz Christi zu erkennen. Jeder von uns trifft solche auf seinem Weg. Jedes Leben, das uns entgegenkommt, ist ein Geschenk und verdient Aufnahme, Achtung und Liebe. Das Wort Gottes hilft uns, die Augen zu öffnen, um das Leben aufzunehmen und zu lieben, besonders wenn es schwach ist. Doch um dazu fähig zu sein, muss man auch ernst nehmen, was das Evangelium uns in Bezug auf den reichen Prasser offenbart.


2. Die Sünde macht uns blind
Mitleidlos stellt das Gleichnis die Gegensätze heraus, in denen sich der Reiche befindet (vgl. V. 19). Diese Gestalt hat im Unterschied zum armen Lazarus keinen Namen; der Mann wird als „reich“ bezeichnet. Sein üppiger Lebensstil zeigt sich in den übertrieben luxuriösen Kleidern, die er trägt. Purpur war nämlich etwas sehr Wertvolles, mehr als Silber und Gold, und daher war er den Gottheiten (vgl. Jer 10,9) und den Königen (vgl. Ri 8,26) vorbehalten. Byssus war ein besonderes Leinen, das dazu beitrug, der Erscheinung einen fast sakralen Charakter zu verleihen. Der Reichtum dieses Mannes ist also übertrieben, auch weil er tagtäglich und gewohnheitsmäßig zur Schau gestellt wird: Er lebte » Tag für Tag herrlich und in Freuden « (V. 19). In ihm scheint in dramatischer Weise die Verdorbenheit durch die Sünde auf, die sich in drei aufeinander folgenden Schritten verwirklicht: Liebe zum Geld, Eitelkeit und Hochmut (vgl. Homilie, Domus Sanctae Marthae, 20. September 2013).
Der Apostel Paulus sagt: » Die Wurzel aller Übel ist die Habsucht « (1 Tim 6,10). Sie ist der Hauptgrund für die Verdorbenheit und ein Quell von Neid, Streitigkeiten und Verdächtigungen. Das Geld kann uns schließlich so beherrschen, dass es zu einem tyrannischen Götzen wird (vgl. Apost. Schreiben Evangelii gaudium, 55). Anstatt ein Mittel zu sein, das uns dient, um Gutes zu tun und Solidarität gegenüber den anderen zu üben, kann das Geld uns und die Welt einer egoistischen Denkweise unterwerfen, die der Liebe keinen Raum lässt und den Frieden behindert.
Das Gleichnis zeigt uns außerdem, dass die Habsucht des Reichen ihn eitel macht. Seine Persönlichkeit geht in der äußeren Erscheinung auf, darin, den anderen zu zeigen, was er sich leisten kann. Doch die Erscheinung tarnt die innere Leere. Sein Leben ist gefangen in der Äußerlichkeit, in der oberflächlichsten und vergänglichsten Dimension des Seins (vgl. ebd., 62).
Die tiefste Stufe dieses moralischen Verfalls ist der Hochmut. Der reiche Mann kleidet sich, als sei er ein König, er täuscht die Haltung eines Gottes vor und vergisst, dass er bloß ein Sterblicher ist. Für den von der Liebe zum Reichtum verdorbenen Menschen gibt es nichts anderes, als das eigene Ich, und deshalb gelangen die Menschen, die ihn umgeben, nicht in sein Blickfeld. Die Frucht der Anhänglichkeit ans Geld ist also eine Art Blindheit: Der Reiche sieht den hungrigen, mit Geschwüren bedeckten und in seiner Erniedrigung entkräfteten Armen überhaupt nicht.
Wenn man diese Gestalt betrachtet, versteht man, warum das Evangelium in seiner Verurteilung der Liebe zum Geld so deutlich ist: » Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon « (Mt 6,24).


3. Das Wort Gottes ist ein Geschenk
Das Evangelium vom reichen Prasser und dem armen Lazarus hilft uns, uns gut auf das Osterfest vorzubereiten, das näher rückt. Die Liturgie des Aschermittwochs lädt uns zu einer Erfahrung ein, die jener ähnlich ist, die der Reiche in sehr dramatischer Weise macht. Der Priester spricht beim Auflegen der Asche: » Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst. « Beide – der Reiche und der Arme – sterben nämlich, und der Hauptteil des Gleichnisses spielt im Jenseits. Beide entdecken plötzlich eine Grundwahrheit: » Wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen « (1 Tim 6,7).
Auch unser Blick öffnet sich dem Jenseits, wo der Reiche ein langes Gespräch mit Abraham führt, den er » Vater « nennt (Lk 16,24.27) und damit zeigt, dass er zum Volk Gottes gehört. Dieses Detail macht sein Leben noch widersprüchlicher, denn bis zu diesem Zeitpunkt war von seiner Beziehung zu Gott keine Rede gewesen. Tatsächlich war in seinem Leben kein Platz für Gott gewesen, da sein einziger Gott er selber gewesen war.
Erst in den Qualen des Jenseits erkennt der Reiche den Lazarus und möchte, dass der Arme seine Leiden mit ein wenig Wasser lindert. Was er von Lazarus erbittet, ähnelt dem, was der Reiche hätte tun können, aber nie getan hat. Doch Abraham erklärt ihm: » Denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden« (V. 25). Im Jenseits wird eine gewisse Gerechtigkeit wieder hergestellt und das Schlechte aus dem Leben wird durch das Gute ausgeglichen.
Das Gleichnis geht noch weiter und vermittelt so eine Botschaft für alle Christen. Der Reiche, der Brüder hat, die noch leben, bittet nämlich Abraham, Lazarus zu ihnen zu schicken, um sie zu warnen. Doch Abraham antwortet: » Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören « (V. 29). Und auf den Einwand des Reichen fügt er hinzu: » Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht « (V. 31).
Auf diese Weise kommt das eigentliche Problem des Reichen zum Vorschein: Die Wurzel seiner Übel besteht darin, dass er nicht auf das Wort Gottes hört; das hat ihn dazu gebracht, Gott nicht mehr zu lieben und darum den Nächsten zu verachten. Das Wort Gottes ist eine lebendige Kraft, die imstande ist, im Herzen der Menschen die Umkehr auszulösen und die Person wieder auf Gott hin auszurichten. Das Herz gegenüber dem Geschenk zu verschließen, das der sprechende Gott ist, hat zur Folge, dass sich das Herz auch gegenüber dem Geschenk verschließt, das der Mitmensch ist.
Liebe Brüder und Schwestern, die österliche Bußzeit ist die günstige Zeit, um sich zu erneuern in der Begegnung mit Christus, der in seinem Wort, in den Sakramenten und im Nächsten lebendig ist. Der Herr, der in den vierzig Tagen in der Wüste die List des Versuchers überwunden hat, zeigt uns den Weg, dem wir folgen müssen. Möge der Heilige Geist uns leiten, einen wahren Weg der Umkehr zu gehen, um das Geschenk des Wortes Gottes neu zu entdecken, von der Sünde, die uns blind macht, gereinigt zu werden und Christus in den bedürftigen Mitmenschen zu dienen. Ich ermutige alle Gläubigen, diese geistliche Erneuerung auch durch die Teilnahme an den Fastenaktionen zum Ausdruck zu bringen, die viele kirchliche Organismen in verschiedenen Teilen der Welt durchführen, um die Kultur der Begegnung in der einen Menschheitsfamilie zu fördern. Beten wir füreinander, dass wir am Sieg Christi Anteil erhalten und verstehen, unsere Türen dem Schwachen und dem Armen zu öffnen. Dann können wir die Osterfreude in Fülle erleben und bezeugen.


Aus dem Vatikan, am 18. Oktober 2016