Kommt und seht

HERRZLICH WILLKOMMEN

Wir sind eine kleine katholische Ordensgemeinschaft, die auf der Halbinsel südlich Hamburgs an diesem Ort der Stille und der Einkehr sich niedergelassen hat, zugehörig dem kontemplativen Teresianischen Reformorden.

Unsere neue Lebensform hier ist wie eine Antwort auf die Frage nach einem Weg der Karmel der Zukunft, wie wir die Herausforderungen der Zeichen der Zeit in Kirche und Welt und auf die religiösen und menschlichen Sehnsüchte der Menschen von heute reagieren sollen.

Unsere Gebetszeiten - Chorgebet und Inneres Beten sind offen für alle. Außerdem bieten wir den Suchenden die Möglichkeit für einen kurzen Aufenthalt in der Stille und Besinnung in dem Gästehaus und Gästewohnungen.

Montag, 24. Juli 2017

Geistliches Wort zum Nachdenken.


Glück oder Pech?
 Anthony de Mello, 

Eine chinesische Geschichte erzählt von einem alten Bauern, der ein altes Pferd für die Feldarbeit hatte. Eines Tages entfloh das Pferd in die Berge, und als alle Nachbarn des Bauern sein Pech bedauerten, antwortete der Bauer: "Pech? Glück? Wer weiß?”

Eine Woche später kehrte das Pferd mit einer Herde Wildpferde aus den Bergen zurück, und diesmal gratulierten die Nachbarn dem Bauern wegen seines Glücks. Seine Antwort hieß: "Glück? Pech? Wer weiß?”

Als der Sohn des Bauern versuchte, eines der Wildpferde zu zähmen, fiel er vom Rücken des Pferdes und brach sich ein Bein. Jeder hielt das für ein großes Pech. Nicht jedoch der Bauer, der nur sagte: "Pech? Glück? Wer weiß?”

Ein paar Wochen später marschierte die Armee ins Dorf und zog jeden tauglichen jungen Mann ein, den sie finden konnte. Als sie den Bauernsohn mit seinem gebrochenen Bein sahen, ließen sie ihn zurück. War das nun Glück? Pech? Wer weiß?

Was an der Oberfläche wie etwas Schlechtes, Nachteiliges aussieht, kann sich bald als etwas Gutes herausstellen. Und alles, was an der Oberfläche gut erscheint, kann in Wirklichkeit etwas Böses sein. Wir sind dann weise, wenn wir Gott die Entscheidung überlassen, was Glück und was Unglück ist; wenn wir ihm danken, daß für jene, die ihn lieben, alles zum Besten gedeiht.




In deine Hände lege ich …
mein Leben

Andreas Knapp

komm und sieh
ein blick
und du gehörst
nicht mehr dir selber
von nun an empfängst du dich
aus angeschaut werden
augenblick um augenblick
das herz an ihn geschmiegt
lockt der staub der straße
mehr als das dach überm kopf
denn in seinen spuren
reichen deine schritte
über jeden gesichtskreis hinaus
und brennender als feuer
wirst du
in seiner nähe



Die Worte der Bibel als Worte meditieren
 Anselm Grün



Gottes Stimme ertönt in der Schöpfung, in allem, was an unser Ohr dringt, im Wind, im Rauschen der Bäche, im Regen, im Gesang der Vögel. Es käme darauf an, in den Stimmen der Schöpfung die Gestimmtheit der Welt zu erhorchen und darin Gott zu erahnen. Gottes Stimme trifft mich aber vor allem im Wort. Das können innere Worte sein, die inneren Stimmen meines Herzens, meines Gewissens. Das können aber auch Worte sein, die wir im Traum hören. In diesen Worten kann Gott zu uns sprechen. Wir sollten sie ernst nehmen, zwar nicht als absolute Worte Gottes, aber doch als innere Eingebungen, die beachtet werden möchten. Und dann gibt es die Worte, die ein anderer zu uns spricht. Aus dem Wort bricht die Emotion des Sprechenden hervor. Wenn mir ein Mensch ein Wort "zu-spricht", das aus seinem Herzen kommt, dann habe ich teil an seinem Gestimmtsein. In der Bibel hat uns Gott sein Wort zugesprochen. Wenn ich Gottes Wort mit dem Ohr meines Herzens höre, dann kann mir darin Gottes Herz aufgehen. Dann ist das Wort nicht Information, über die ich nachdenken kann, sondern Kommunikation. Gott selbst teilt sich mir im Wort mit. Und im Wort erahne ich etwas vom Geheimnis seiner Person.

Die Worte der Bibel sind für mich Worte eines Du, einer Person, die mit mir in Beziehung treten will. Daher ist es für mich wichtig, die Worte der Bibel als Worte zu meditieren, die Gott jetzt in diesem Augenblick ganz persönlich an mich richtet, in denen er mich anspricht. Wenn ich zum Beispiel das Wort meditiere: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir" (Jesaja 43,1), dann stelle ich mir vor: Dieses Wort spricht Gott ganz persönlich zu mir. Ich bin gemeint. Das ist meine tiefste Wirklichkeit. Wenn das stimmt, was Gott mir da zuspricht, wie fühle ich mich dann, wie erlebe ich mich und wie erlebe ich Gott? Indem ich nicht über das Wort nachdenke, sondern es in mein Herz fallen lasse, es mit dem Herzen schmecke und koste, durchdringt es meine Emotionen und bewirkt dort Gefühle des Angerührtseins, der Freude und des Vertrauens. Ich muß das Wort Gottes in meinem Herzen aufklingen lassen, daß es mit seinem Klang meinen Leib und meine Seele froh macht und heilt.